Am 15. und 16. September 2025 versammelte sich die deutschsprachige Brennerei- und Spirituosenbranche in Miesbach, Oberbayern, um sich über aktuelle Herausforderungen auszutauschen und mehr über das Leuchtturmprojekt des SLYRS-Neubaus zu erfahren. Mit fast 120 Expertinnen und Experten kehrte die größte deutschsprachige Fachtagung zu ihrer Bestform zurück. SLYRS-Geschäftsführer Hans Kemenater hatte das IfGB-Forum nicht nur eingeladen, sondern mit seinem Team auch ein spannendes Programm rund um die Besichtigung der neuen Brennerei und den zauberhaften Begrüßungsabend auf der Terrasse der SLYRS GenussVerweilerei organisiert: „Ich sehe viele Freunde und Partner im Saal - und ordentlich Wettbewerb.“
Hans Kemenater hat die Umsetzung der Vision eines Single Malts aus Bayern von Anfang an begleitet und SLYRS als einen der bedeutendsten Whiskyhersteller Deutschlands mitgeprägt. Er beschrieb den großen Aufwand des Neubau-Projekts: „Wir wollten eine der modernsten Brennereien Europas gestalten, um zukunftsfähig, nachhaltig und effizient zu sein.“
Seinen Dank richtete Kemenater an die beteiligten Zulieferer und Anlagenbauer: „Das war ein Vertrauensprojekt – das ist sehr partnerschaftlich entstanden. Manches ist im Dialog anders justiert worden als es im ersten Plan vorgesehen war.“ Es war auch echte Pionierarbeit, neben der Kapazitätssteigerung das zentrale Thema Nachhaltigkeit zu realisieren. „Wir arbeiten u.a. mit Energierückgewinnung und Photovoltaik.“
Helmut Knöpfle ging auf die unterschiedlichen Ausprägungen des SLYRS-Whiskys ein. „Für den SLYRS Classic verwenden wir neue, nur leicht getoastete Fässer, damit der Holzzucker an die Oberfläche steigt. Außerdem gehen wir mit einer geringeren Alkoholstärke ins Fass, damit nicht zu viel strenge Holznoten ins Destillat gelangen. Wir wollten außerdem darstellen, dass durch verschiedene Lagerungsbedingungen ganz unterschiedliche Whiskys entstehen“, dies erreiche man auch durch die facettenreichen Finishings in Port- oder Sherryfässern etc.
Im Folgenden präsentierten die SLYRS-Zulieferer ihre Produkte. Marcel Serafin vom Keramischen Säurebau Räckers sagte: „Wir leisten Neubau, wie bei SLYRS, wir überarbeiten aber auch vorhandene Böden. Wenn man eine teure Maschine aufstellt, sollte man am Boden nicht sparen.“
Anschließend kamen die Co-Sponsoren zu Wort. Uwe Janssen von BrauKon präsentierte BrauKon eKon – das zukunftssichere Energiesystem: „Das war ein monsterschönes Projekt, da waren Profis am Werk, darum hat die Zusammenarbeit auch sehr viel Freude bereitet.“ Kernstück des geschlossenen Energie-Systems ist die Höchsttemperaturwärmepumpe. „Am Ende lassen sich 60 % der Primärenergie zurückgewinnen“, betonte der Referent.
Stefan Hafen von Arnold Holstein stellte die Brennereianlage vor. Gebaut wurden zwei Raubrandblasen mit jeweils 5000 L Volumen und Hochleistungskühlern sowie eine Feinbrandblase mit 6000 L. Mit den neuen Geräten erreiche man einen um 3-5 vol % höheren Alkoholgehalt im Raubrand als mit dem alten Gerät. Der Röhrendephlegmator dient dazu, die Alkoholkonzentration ggf. zu erhöhen. Auch die Mittellaufausbeuten lassen sich über die Dephlegmator-Steuerung erhöhen, „aber am Ende zählt die Qualität des Destillats“, betonte Hafen. „Die Automatisierung unterstützt den Brenner/Destillateur, aber er muss das Gerät beaufsichtigen und überprüfen“, betonte Stefan Hafen: „Automatisierung ist kein Luxus, sondern absolute Notwendigkeit.“
„Ihr seid Künstler, Ihr seid Artisten – ohne doppelten Boden, ohne Netz“, schmeichelte Markus Eder vom Fassbauer Wilhelm Eder den Brennern. 60 % des Whisky-Aromas mache das Holzfass aus. Amerikanische Eiche (die SLYRS vor allem verwendet) unterscheidet sich von europäischer Eiche vor allem dadurch, dass die amerikanische bis zu zehnmal mehr Vanillin enthält als europäische. Durch Toasting entstehen vielfältige Aromen: dunkle Schokolade, reife Früchte, süßes Karamell. „Ich kann nur die Bühne liefern, aber tanzen, das müsst Ihr.“
Weitere Vorträge am Montag widmeten sich der Digitalisierung von Fasslagern (Simon Zunftmeister, brevo) und der Vermittlung von Regionalität und Nachhaltigkeit in der Bar. (Mario Messig, Bar Garcon). Die Vorträge zu den Rahmenbedingungen der Branche waren in diesem Jahr auf den zweiten Tagungstag gesetzt. Dr. Josef Fontaine sprach über die jüngsten Entwicklungen am IfGB und kündigte seinen vorzeitigen Ruhestand an. BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick sprach über die aktuellen Herausforderungen der Branche. Vertiefend ging Werner Albrecht vom BMLEH auf die aktuellen Veränderungen im Spirituosenrecht ein. Johan ten Doornkaat skizzierte Lösungsversuche für die Herausforderungen und Christian Schrade regte an zu mutigem Marketing. Stefan Lupprich vom Co-Sponsor fermentis, präsentierte besondere Hefen zur Vergärung von Melasse für Rum. VLB-Institutsleiter Dr. Martin Hageböck präsentierte die mikrobiologischen Herausforderungen alkoholfreier Spirituosenersatzprodukte. Ganz neue Wege im Bereich der alkoholfreien Getränke beschritt Gerald Koenen von den Rheinland Distillers mit dem funktionalen Getränk „Wylda“. Der zweite Vortragstag schloss mit neuen Technologien zur Entalkoholisierung von Spirituosen von Claudia Geyer, Solos Spirits.
Der Montagnachmittag galt der sehr spannenden Brennereibesichtigung. Auf der Terrasse der SLYRS GenussVerweilerei bedankten sich die VLB-Geschäftsführer bei den SLYRS-Geschäftsführern Hans Kemenater und Steffen Brandt und ihrem Team. Der neue VLB-Geschäftsführer Dr. Björn Klotzbücher betonte: „Für solche Erfolgsgeschichte braucht man Unternehmen mit Mut und Teams, die an einem Strang ziehen.“ Er schätzte sich Glücklich, dass mit dem Destillateurmeister Hans Kemenater ein Absolvent der IfGB-Meisterschule maßgeblich zum Erfolg der Whisky Destillerie SLYRS beigetragen hat.
„Ich bin sehr begeistert vom großen Zuspruch des diesjährigen IfGB-Forums“, freut sich IfGB-Koordinatorin Wiebke Künnemann „Wie gut, dass Brenner und Spirituosenhersteller gerade in dieser schwierigen Zeit, unsere Plattform nutzen und den Dialog suchen, um den Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.“
Das 24. IfGB-Forum am 29. und 30. September 2026 folgt der Einladung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. Das Vortragsprogramm findet im Welcome Hotel Neckarsulm statt. Die Sponsoren LVWO Weinsberg und Aromenhersteller Voegele laden ein zu ausführlichen Besichtigungen.

